Bericht zur Studienfahrt nach Cavaillon/Avignon in der Provence vom 18.4.-22.04. 2016

Wir 11 Schülerinnen und Schüler machten uns mit unseren betreuenden Lehrern Herr Gabele und Herrn Vogt, sowie unserem Busfahrer Sascha von Spöcker Reisen am 18.04. frühmorgens von unserer Schule nach Frankreich auf.
Während der Fahrt stellten wir Schüler, die vorab vorbereiteten Präsentationen vor, um uns über die Kultur, das Land und die Sehenswürdigkeiten an unserem Reiseziel der Provence einzustimmen.
Nach einigen Stunden im Stau und etlichen Pausen, erreichten wir nach 12 Stunden Fahrt das Hostel YMCA in Villeneuve les Avignon, wo wir die Silhouette der Stadt Avignon mit ihren markanten Wahrzeichen immer im Blick hatten und einen guten Ausblick auf die Landschaft der Provence mit dem hochaufragenden  Mont Ventoux im Hintergrund. Nach dem Bezug der Zimmer und einer erfrischenden Dusche machten wir uns in die Innenstadt von Avignon auf um einen ersten Eindruck von dieser in vielfacher Hinsicht bedeutenden Stadt zu erhalten und den Tag mit typischer französischer Küche zu beschließen.
Am Dienstag fuhren wir nach Cavaillon. Hier residiert das Lycée Professionnel Regional Alexandre Dumas zu dem unsere Schule schon seit vielen Jahren eine gute Partnerschaft pflegt. Die Kleinstadt Cavaillon liegt am westlichen Rand des Luberon und ist hauptsächlich für seine Melonen bekannt, denn rund um die Stadt werden diese und anderes Obst und Gemüse in großer Menge angebaut. Nach einem Aufstieg zum Hausberg von Cavaillon, dem Colline Saint-Jacques mit seiner romanischen Kapelle hatte wir einen beeindruckenden Blick über die Stadt, das Tal der Durance sowie die Berge des Luberon bis zum Mont Ventoux.
Nach dem Abstieg ging es weiter zu unserer Partnerschule wo wir von der Schuldirektorin eine ausführliche Hausführung bekamen und so die Bedingungen der beruflichen Bildung in Frankreich erkunden konnten. Mit einem leckeren Menü überraschten uns die dortigen Gastronomieschüler.
Am Nachmittag stand zunächst Oppède-le-Vieux, ein unvergessliches Dorf in den Höhenlagen des Luberon- Gebirges auf dem Besichtigungsprogramm. Die Häuser aus dem Mittelalter und der Renaissance, die Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die Ruinen des mittelalterlichen Schlosses, die Waschhäuser und Kapellen Saint-Laurent und Saint-Antonin schaffen eine zeitlose Atmosphäre. Auf einem Spaziergang durch das alte Dorf konnten wir die Festungsruinen besichtigen, die die einstige Bedeutung des Ortes im Mittelalter erahnen lassen.
Unweit von dem bemerkenswerten Bergdorf Oppède-le-Vieux liegt die Domaine de la Citadelle, ein Weingut des Luberon, das neben köstlichen Weinen auch ein Museum mit über 1200 Objekten des Korkenziehers aus der Zeit vom 12. Jahrhundert bis heute präsentiert. Nun wissen wir, dass die Erfindung des Korkenziehers einem Engländer zugeschrieben wird, der bereits vor den Franzosen den Wein in Flachen ausbaute?! Bei einer professionellen Weinprobe erfuhren wir viel über die Besonderheiten der Weine aus dem Luberon, die uns ausgezeichnet mundeten.
Am Mittwoch machten wir uns zunächst auf in die nahegelegenen Berge. Einen ersten Halt hatten  wir in der Geburtsstadt des Dichters René Char  in l'Isle-sur-la-Sorgue einem kleinen grünen Paradies mit vielen Seitenarmen der Sorgue, in der sich noch die alten Schaufelräder drehen. Links und rechts des Ufers findet man  zahllose Antiquitätenläden und schmucke Gastronomiebetriebe, die es einem schwer machen, dass man nicht immer wieder stehen bleibt und so den ganzen Tag mit schauen, kaufen und genießen verbringt. Doch wir wollten weiter zum Ort der Quelle, die am Fuß einer riesigen Felswand entspringt. Dazu mussten wir zu Fuß an den Rand des Ortes Fontaine-de-Vaucluse wo die Sorgue aus einer tief unten liegenden Felsenhöhle empor quillt und dann als "grüner" Fluss durch Fontaine-de-Vaucluse fließt. Die grüne Färbung des klaren Wassers entsteht durch zahlreiche Wasserpflanzen am Grund des gleich ab der Quelle schon recht breiten Flusses.
Vom Naturwunder ging es weiter zu den Zeugnissen der bäuerlichen Steinbauten, den Bories, die man in der Gegend auch umgangssprachlich gallische Hütten nennt. Sie sind aus Trockenstein, d.h. ohne Mörtel nach dem Prinzip des überkragenden falschen Gewölbes erbaut. Die Steine, die aus dem Kalkboden der Hügel um Gordes entfernt wurden, machten den Bau dieser „landwirtschaftlichen” Hütten möglich. Das von 1969 bis 1976 restaurierte Village des Bories stellt sich heute so dar, wie es vor ca. 150 Jahren aussah, als es von seinen letzten Bewohnern verlassen wurde. Für uns heute kaum vorstellbar, dass Menschen in solchen unwirtlichen Unterkünften leben konnten. Da wir immer etwas Zeitnot hatten konnten wir viele der sehenswerten Orte nur beim Vorbeifahren wahrnehmen bzw. bei einem kurzen Stopp fotografisch festhalten. So das Dorf Gordes, das auf einem Felsen thronende provenzalische Dorf. Es gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs und war auch für uns ein gern wahrgenommenes Fotomotiv. Ebenso die Abbaye de Senanque eine Zisterzienserabtei aus der Romantik , die nicht zuletzt wegen ihrer übrigen Lavendelfelder einen Abstecher wert ist.
In der Nähe des Dorfes Gordes liegt Roussillon. Das kleine, fast verschlafen schöne Dorf bietet einen der schönsten landschaftlichen Höhepunkte beim Besuch der Provence – die Ockerbrüche. Vom Dorf aus zu Fuß in kurzer Zeit erreichbar erwartete uns ein grandioses Farbenspiel. Unmittelbar hinter dem Eingang bot sich ein herrliches Panorama auf die Ockerfelsen, an denen so fast jeder erdenkliche Ocker Ton zu finden war, teilweise mit bizarren Formen, die an große Nadeln oder Termitenhügel erinnern.
Der Donnerstag war ganztägig für die ausführliche Stadterkundung von Avignon reserviert. Mit dem Besuch der natürlich begrünten Markthallen mit der unendlichen Auswahl an Produkten aus der Provence stillten wir zunächst unsere Neugier an französischer Esskultur. Damit unser Gaumen nicht zu kurz kam besorgen unsere Lehrer eine Auswahl unterschiedlicher Käsesorten, die wir sachkundig nach Herstellung, Geschmack und Reife begutachtet und dann der Reihe nach probierten. Gestärkt durch das Käsepicknick in einem wunderschönen Park in der Mitte von Avignon machten wir uns auf zum Papstpalast. Dieser stammt aus jener Zeit als Avignon für einige Jahrzehnte im Mittelalter, die Hauptstadt des Christentums war. Da es unmöglich ist an einem Tag alle Orte und Gebäude mit ihrer Bedeutung und Geschichte zu erkunden mussten wir uns auf einige wenige beschränken, die aber mit Hilfe von Audioguides  gut verständlich erklärt wurden, so dass wir in groben Umrissen die geschichtlichen Zusammenhänge erfassen konnten. Seit dieser Führung wissen wir welchen religionsgeschichtlichen Zusammenhang Avignon und Konstanz haben und weshalb heute viele Teile von Avignon zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Bei so viel Kultur war auch etwas entspannendes sehr wohltuend. So waren wir sehr froh, dass unsere Organisatoren für den Nachmittag eine Bootsfahrt auf der Rhone eingeplant hatten. Es hätte so schön sein können, wenn statt dem Nieselregen, die Sonne heraus gekommen wäre und den einmaligen Blick auf die Stadt mit seiner gigantischen Mauer und den herausragenden Türmen untermalt hätte.
Natürlich durfte die Besichtigung der legendären und vielbesungenen Brücke von Avignon nicht fehlen. Es war eine begeisternde Besichtigung, welche die Geschichte von Avignon und der Rhone, die Legende des Saint-Bénézet und des berühmten Liedes „Sur le Pont d'Avignon” vermittelte. Wir wissen nun, dass die Stein-Brücke von Avignon ein wichtiger Zeuge der Geschichte von Avignon und der Rhone ist, sie  ab dem 12. Jahrhundert erbaut wurde, einst zweiundzwanzig Bogen hatte und die Rhone von Avignon nach Villeneuve überbrückte, den Päpsten diente,  mehrfach beschädigt wurde, mehrere Male wieder aufgebaut und im 17. Jahrhundert endgültig aufgegeben wurde.
Mit einem guten französischen Abendessen und vielen bleibenden Eindrücken traten wir am Freitag wieder die Heimfahrt nach Villingen an.

Text und Bilder: Herr Vogt, Schülerinnen und Schüler  

 

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